28.05.2026
Mignières
Veranstaltungen

Bonjour la France

Die 8 und 9 auf großer Frankreichfahrt

Dienstag

Der Abfahrtstag war gekommen. Zur üblichen Zeit trafen wir uns wieder in der Schule, allerdings deutlich schwerer bepackt als an den Tagen zuvor. Nur wenig später fuhr auch unser Bus vor, und schon konnten die teils überdimensionierten Koffer wieder eingeladen werden. Dass man dabei die Straße komplett blockierte, interessierte nicht wirklich, das hatte man ja bei der Abfahrt auch auf der Engelbertstraße so gemacht. Dass ein Autofahrer dabei ein wenig die Contenance verlor, rief wiederum eine Gastmutter auf den Plan, so dass wir gespannt dieses Ping-Pong-Spiel einer hitzigen Diskussion verfolgen konnten. Gleichzeitig flossen auch wieder deutsche wie französische Tränen, da man nun von den so liebgewonnenen Austauschpartnern Abschied nehmen musste. Unpassenderweise öffnete auch der Himmel seine Schleusen just kurz vor der Abfahrt, so dass alle ihre Verabschiedungszeremonie ein wenig abkürzen mussten, wollte man nicht völlig durchnässt den Rest des Tages im Bus sitzen. Ein letztes Winken dann, und schon war man außer Sichtweite. Da man auf einer Schulfahrt war, gab es auch viele Dinge während der langen Fahrt zu lernen:

  1. Man nutzt eine Pause, um, gegebenenfalls auch vorsorglich, auf‘s Klo zu gehen.
  2. Man trinkt nicht einen Liter während der Pause, um eine Viertelstunde danach auf‘s Klo zu müssen.
  3. Die Kapazität eines Busklos ist endlich.
  4. Auch die Toilette in einem Bus wird, ähnlich den stillen Örtchen in der Schule, sauber verlassen.
  5. Ein Busfahrer hat gesetzlich geregelte Lenkzeiten, die er nicht nach Belieben erweitern kann während einer Fahrt, bei der man ohnehin kaum im Vorfeld absehen kann, in wie vielen Staus man landen wird. (Ergänzung: in unserem Fall unheimlich viele!)

Neben diesen Lektionen für‘s Leben stellte man fest, dass einem 700km grundsätzlich lang werden können. Je näher wir der Heimat kamen, umso heftiger traf uns auch die Erkenntnis wie eine Keule, dass die Schule am nächsten Morgen wieder früh beginnen würde. Mit uns. Als der Bus endlich wieder am SUG vorfuhr, war die Freude doch ausnahmsweise groß, dieses Gebäude wiederzusehen.

Trotz dieser langen Rückfahrt bleiben sicher viele positive Eindrücke in Erinnerung, viele Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen, die keine und keiner der Teilnehmer missen möchte. Und natürlich wurde schon der Gegenbesuch im kommenden Jahr beschlossen. Vive l‘amitié franco-allemande!

Montag

Um viertel nach acht bei Sonnenschein gab es das große Wiedersehen nach dem Wochenende, und natürlich hatte man viel zu erzählen. Wieder wurden alle in Kleingruppen eingeteilt, und besonders beliebt waren unsere Schülerinnen und Schüler im Englischunterricht der 6e (entspricht unserer fünften Klasse). Die französischen Kinder hatten Fragen vorbereitet, die unsere Englischspezialisten gerne beantwortet haben. Aber natürlich wurden auch viele andere Schulfächer besucht, so z.B. Histoire-géo, eine Kombination aus Geschichte und Erdkunde, Techno(logie) oder natürlich Français als Muttersprache. Egal wie, irgendwie klappte die Verständigung. Mittags ging man in zwei Etappen gemeinsam mit der Klasse in die Kantine, bevor nach eineinhalb Stunden Pause der Nachmittagsunterricht begann. Für uns aber nur bis um 14 Uhr, als eine rein deutsche Besprechung auf dem Programm stand. Neben dem Verteilen des von Mme Giroud erstellten Erinnerungsblattes wurde auch noch unser Stadtspiel besprochen, ebenso wurden wichtige Eckdaten zur Rückfahrt mitgeteilt. Um viertel vor drei gingen wir alle mit unseren corres wieder zum Lycée Franz Stock hinüber, wo sich auch die Kantine befindet. Nun aber nicht zum Essen, sondern für einen Spielenachmittag, den die Seconde (10. Klasse) für uns vorbereitet hat. Ein kulturelles Quiz, ein Parcours und Fußballspielen in der Sporthalle waren die angebotenen Aktivitäten, die mit viel Freude von den gemischten Teams angenommen wurden. Das Siegerteam bekam am Ende sogar Medaillen. Doch natürlich durfte auch ein „goûter“ (ungefähr: Kaffeetrinken) am Ende nicht fehlen. Die vorbereiteten Kuchen, Plätzchen und Süßigkeiten wurden in Windeseile von den Teams verputzt, und natürlich erfreuten sich auch die Getränke großer Beliebtheit. Am Ende des Nachmittags kam es zu einem weiteren Highlight: die Handys, die, wie in Frankreich üblich, morgens eingesammelt wurden, wurden zurückgegeben. Endlich fand die Hand wieder das unverzichtbare technische Gerät, wenn sie zur hinteren Hosentasche griff. Körperlich nun also wieder vollständig, konnte mit dem/der corres nun ein letztes Mal der Heimweg angetreten werden. 

Samstag und Sonntag

An diesem Wochenende blieben alle wie vorgesehen in den Familien, die ihren Gastschülern viel geboten haben. Besuch des Schlosses von Versailles, der Zoo von Beauval, Minizugtour in Chartres, Grillen, Bowling, Klettern und viele weitere Aktivitäten wurden den Gästen geboten. Viele unserer Schülerinnen und Schüler berichteten nach dem Wochenende begeistert von den Erlebnissen zusammen mit ihren Gastfamilien.

Freitag

Die französische Hauptstadt erwartete uns heute. Direkt zu Schulbeginn standen zwei Busse vor der Schule, die die correspondants nach Paris fahren wollten. Bunt gemischt nahmen Franzosen wie Deutsche ihre Plätze ein, bevor es schnurstracks über die Autobahn zu ihrem Ziel ging. Schnurstracks natürlich nur auf der Autobahn, aber immerhin konnte man schon viele erste Eindrücke während der tatsächlich nur sehr langsam vorangehenden Fahrt in Paris entlang der Seine sammeln. In der Nähe von Notre-Dame stieg man dann „vite vite“ aus, um unseren Fußmarsch zu beginnen. An der Kathedrale wurden natürlich viele Fotos gemacht, aber schon nach kurzer Zeit ging es weiter. Als Nächstes stand der verhüllte Pont Neuf (die berühmte Brücke) auf unserem Programm. Gestaltet vom Künstler JR ist die Verhüllung als Hommage an das Künstlerpaar Christo und Jean-Claude zu verstehen. Viele nicht mehr ganz junge Erwachsene erinnern sich wahrscheinlich an die Verhüllung des Reichstags im Jahr 1995. Nächste Etappe war der Louvre, Heimat der Mona Lisa, auf französisch La Joconde genannt. Zeit um hineinzugehen war aber nicht, allerdings für Fotos der berühmten Glaspyramide reichte es immerhin. Inzwischen war die Temperatur längst deutlich über die 30-Grad-Marke geklettert, und entsprechend wurde eine Pause herbeigesehnt. Diese legten wir dann im Jardin des Tuileries ein, im Schatten unter Bäumen, auf Stühlen, die nur auf uns zu warten schienen. Nach einer halben Stunde, in der die mitgebrachten Pique-niques verzehrt werden konnten, machte sich der deutsche Teil der Gruppe wieder auf, um an der Place de la Concorde vorbei Richtung Champs-Elysées zu laufen. Tapfer schlugen sich die Schülerinnen und Schüler (auch die beiden Begleiterinnen) bei Hitzefrei-verdächtigen Temperaturen (Als Belohnung für soviel Durchhaltevermögen schlagen wir vor, das entgangene Hitzefrei für sämtliche 35 Schüler, zumindest aber für die beiden Lehrerinnen, am kommenden Mittwoch nachzuholen…). Mit ihrem großen Ziel vor Augen biss man die Zähne zusammen und konzentrierte sich auf das, was kommen sollte: shoppen auf der berühmten Meile, die für die olympischen Spiele im vergangenen Sommer noch einmal grundlegend aufgehübscht worden ist. Tatsächlich mussten wir am Ende der dort gewährten Freizeit feststellen, dass wir dieses Jahr mit einer äußerst sparsamen Truppe unterwegs sind. Shopping-Eskapaden wie in den vergangenen Jahren konnten wir nicht feststellen. Der Triumphbogen im Anschluss war nicht nur sehenswert, sondern gleichzeitig auch unser Treffpunkt, und nicht nur für uns, sondern auch wieder mit den Franzosen. Gemeinsam wurde die letzte Etappe angegangen: per pedes, oder à pied, zum Eiffelturm. Hatten wir schon mal die Temperaturen erwähnt??? Eine halbe Stunde später eröffnete sich hinter einer Hausecke der atemberaubende Blick, auf den alle gewartet hatten: der Eiffelturm in seiner ganzen Größe. Der strahlend blaue Himmel als Hintergrund zauberte wunderschöne Bilder auf die gezückten Handys, doch die gleißende Sonne ließ den Schweiß in Strömen fließen. Noch ein paar Stufen hinab in einen kleinen Park, ein letztes Törchen zum Zählen, ob alle da sind, und schon nahmen uns die beiden Busfahrerinnen mit ihren klimatisierten Gefährten wieder in Empfang. Die Rückfahrt nach Mignières klappte unerwartet gut, so dass wir noch der angekündigten Zeit wieder an der Schule eintrafen. Die zwischenzeitlich verständigten Gasteltern fuhren zügig vor, und somit begann am frühen Abend das Wochenende in den Familien. Ein Update zu den dortigen Aktivitäten gibt‘s nach dem Wochenende…

Donnerstag

Eine halbe Stunde später als bei uns traf man sich zum ersten Schultag. Besonders die beiden begleitenden Lehrerinnen waren sehr begeistert von dem neuen, extra ausgewiesenen Lehrerparkplatz, den es in dieser Form vor zwei Jahren noch nicht gab. Auch gebäudetechnisch hatte sich seit dem letzten Besuch viel getan. Ein komplettes Gebäude ist seitdem hinzugekommen, technisch hervorragend ausgestattet, und auch der Schulhof wurde erweitert.

Unsere Schülerinnen und Schüler trafen sich zunächst auf besagtem Schulhof und wurden dann zu Beginn des Unterrichts von ihren Austauschpartnern in die ihnen zugewiesenen Klassen gebracht, nicht mehr als drei Deutsche pro Gruppe. Die Räume sind zwar fein, aber auch klein. Die Freude, am Unterricht des Collège St Jacques de Compostelle teilzunehmen, war groß („groß“ ist vielleicht etwas übertrieben), aber schon um elf Uhr stand ohnehin die Fahrt nach Chartres auf dem Programm. Ohne die Franzosen, aber mit allen 35 deutschen Gastschülerinnen und -schülern, fuhren wir höchstens eine halbe Stunde mit dem Bus nach Chartres. Bei mehr als 30 Grad und Sonnenschein stand natürlich die Kathedrale als Erstes auf dem Plan. Im kühlen Inneren gab es nicht nur genügend zu sehen, sondern auch Infos zu hören. Im Anschluss daran stand ein Stadtspiel mit Freizeitanteil und Möglichkeit zur Mittagspause auf dem Programm. Diverse Fragen des (rein französischsprachigen) Aufgabenzettels galt es zu lösen. Neben Wissensfragen und weiteren Aufgaben zu Sprache und Kultur wurde auch der Stift, den alle Gruppen erhielten, gegen viele ansprechende Gegenstände eingetauscht. So verging die Zeit wie im Flug, ehe man sich wieder gemeinsam auf den Weg Richtung Bus machte. Zurück in Mignières fand gerade der Raumwechsel zwischen den Stunden statt, so dass einige direkt wieder im Unterricht landeten, bis um zehn nach fünf (17:10 Uhr, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen), der Gong ein letztes Mal für diesen Tag ertönte. Sorgen einiger unserer Schüler können wir zerstreuen: Nein, nicht alle französischen Schüler leiden an Burnout bei so langem Unterricht. Und bei diesen Temperaturen hätten bei uns schon alle lautstark nach Hitzefrei gerufen, aber auch das gab es hier heute nicht. In wenigen Minuten leerte sich dann der Schulhof, und alle machten sich wieder auf den Heimweg Richtung Gastfamilie. Morgen geht das Abenteuer Austausch weiter…

Mittwoch

Wenn Engel reisen, lacht die Sonne. Gemäß diesem Motto traf man sich am frühen Morgen, um den Bus nach Chartres zu besteigen. Leider kam man nicht weit. Bereits am Totenberg, noch vor der Autobahn, begann der erste Stau. Mit Elan ging es dann schließlich weiter, immerhin bis zum Autobahnkreuz Werl, als uns Stau Nummer zwei heimsuchte. Danach ging es dann immerhin zügig weiter. An der Raststätte Aachener Land wurde McDonald‘s gestürmt, und so gestärkt verließen wir dann bald unsere deutsche Heimat. Belgien war nur als schneller Transit nach Frankreich gedacht, doch, wie sollte es anders sein, auch hier erwartete uns heimtückischerweise ein Stau. Aber da es doch noch eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt, lief es dafür umso besser, kaum dass wir die Grenze nach Frankreich passiert hatten. Durch Paris ging es zwar langsam, aber immerhin durchgehend vorwärts. Und so kamen wir nach gut zehn Stunden Fahrt in Mignières an, sehnsüchtig erwartet von den Franzosen. Diejenigen, die sich schon kannten, begrüßten sich freudig, die anderen gingen zunächst schüchtern aufeinander zu. Und nach und nach trennten sich die Wege aller… Einzig über unsere Gruppe wurden noch ein paar Nachrichten ausgetauscht, und dann kehrte Ruhe über Mignières und Umgebung ein…

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