Am Dienstagvormittag, den 27. Januar 2026, besuchte eine Zeitzeugin aus Griechenland einen Geschichtskurs der EF vom St.Ursula-Gymnasium und berichtete über ihre Erfahrungen als Gastarbeiterin in Deutschland, um die der Schüler*innen durch eine ganz neue Perspektive zu informieren und ihre persönlichen Erfahrungen zu erläutern.
Agathoniki Gorou ist am 14. November 1946 in Griechenland geboren und mit 17 1/2 Jahren nach Deutschland gekommen. In Griechenland war derzeit der Bürgerkrieg, dies prägte die damalige Zeit in dem Land, was unter anderem Armut zur Folge hatte. Ihre große Schwester arbeitete bereits in Deutschland und sie berichtete, dass sie mehr Geld verdiene, als in Griechenland. In Griechenland leisteten sie beide zuvor Landschaftsarbeit in Athen. Zuerst war sie für 4 Jahre in Bayern, dann ging sie nach Würzburg, weil dort Bedarf bestand. Danach ging sie nach Neheim, die Stadt, in der sie auch jetzt noch wohnt. Hotels vermieteten Wohnungen für Gastarbeiter, da der Wohnungsmarkt sehr eingeschränkt war und vor allem die Gastarbeiter bei der Wohnungssuche stark benachteiligt .
Besonders interessant waren ihre Berichte über den Arbeitsalltag in Deutschland. Sie arbeitete in einer Lampenfabrik. Die Handwerksarbeit sei nicht ungefährlich gewesen. Sie arbeitete von Montag bis Freitag jeden Tag über acht Stunden für ca. 1 Mark die Stunde: „Es war viel zu tun“ berichtete sie. Trotz vielfältiger Hürden gelang es ihrem Ehemann seine eigene Gastronomie zu eröffnen, in der sie ab dem Zeitpunkt auch gearbeitet hatte. Auf der Arbeit wurde nicht viel bis garnicht gesprochen, was das Erlernen der deutschen Sprache erschwerte. Dafür gab es Dolmetscher, die die Verständigung vereinfachten. Sie selbst erzählt, dass sie im Vergleich zu anderen nicht mit massiven Sprachbarrieren kämpfen musste. Sie zog ihre Kinder zweisprachig auf, Griechisch und Deutsch, wofür sie im Nachhinein sehr dankbar waren, da es für sie profitabel war. Erst viel später gab es griechische oder auf anderen Ländern basierenden Schulen, Kirchen und Vereine.
Ein weiterer Aspekt, der in der Unterrichtsstunde thematisiert wurde, war, ob sie etwas vermisse. Sie erzählte beispielsweise von schlechterem Wetter in Deutschland. In Griechenland fand sie die Häuser schöner und auch die Verbindungen zu anderen Städten. Sie wohnte in einem kleinen Dorf in der Fußzeile 1Nähe von Athen und hatte die Möglichkeit mit dem Auto und den Hafenverbindungen einen Tag in Korfu ohne großen Aufwand zu verbringen. Der prägendste negative Punkt war die große Distanz zu der Familie. Sie reiste im Urlaub nach Griechenland und bezeichnete es als ihr zweites Zuhause. Frau Gorou und ihre Familie zogen nicht in ihre Heimat zurück, da sie sich hier ein Leben aufgebaut hatten: sie haben Freunde, Nachbarn und auch ihreKinder haben ihr eigenes erfülltes Leben. Sie berichtete von einem friedlichen Zusammenleben, das von Respekt geprägt war. Formen von Diskriminierung habe sie selbst nicht erlebt. Sie selbst sagt, sie bereue nicht, dass sie sich ein schönes und gesundes Leben in Deutschland aufgebaut hat.
Abschließend schließt sie folgende Schlussfolgerung: „Für mich ist Deutschland die 2. Heimat geworden“. Aus dem Gespräch mit Frau Gorou konnten die Schüler*innen, wie sie nachträglich berichteten, viel mitnehmen. Es verschaffte einen guten und persönlichen Einblick in die BRD der Nachkriegszeit, und die Unterstützung auf dem Arbeitsmarkt durch die Gastarbeiter.
Marie
